3.2.2 Nachrichtentechnischer Ansatz der Kommunikation

Die Nachrichtentechnik verwendet den Begriff Kommunikation zur Beschreibung des Vorgangs des Transportes von Informationen. Gemeint ist das Kodieren, die physikalische Übertragung und das Dekodieren einer Information. Das nachrichtentechnische Modell ist auf Shannon (1948) zurückzuführen.[17] Shannon betrachtete Kommunikation unter einer stochastischen Perspektive und klammerte dabei jegliche Semantik der Information aus.[18] Das nachrichtentechnische Kommunikationsmodell ist dazu geeignet im Speziellen die technischen Fragen der Kommunikation zu konzeptionalisieren, wodurch es elementare Bedeutung für die Entwicklung technischer Kommunikation- und Speichersysteme erlangt hat.

Abbildung 2: Kommunikation als Prozess der Informationsübertragung Quelle: Röh, Carsten: IuK-Technik und internationale Unternehmensführung: Kommunikation, Koordination, Konfiguration, Gabler, Wiesbaden 2003, 121.

Prämisse für den nachrichtentechnischen Ansatz ist das Vorhandensein eines gemeinsamen Zeichenvorrats. In einem regelkreisförmigen Prozess werden Botschaften in Signale, Zeichen ud Symbole kodiert und anschließend vom Empfänger entschlüsselt. Im Rahmen einer reinen Maschinen-Maschinen-Kommunikation fehlt der rein interpretative Faktor, der dazu führt, dass alle Signale, Zeichen und Symbole nicht dekodiert werden können. Dies stellt für dieses Modell Stärke und zugleich auch Schwäche dar. Bei einer reinen Maschinen-Maschinen-Kommunikation wird der gemeinsame Zeichenvorrat auf der technischen Ebene durch Standardisierungen und Normen sichergestellt. Eine Mensch-Maschine- oder eine Maschine-Mensch- Kommunikation kann dies allerdings nicht gewährleisten. Sprache kann nicht als bloße Aneinanderreihung von Wörtern verstanden werden, sondern ist vielmehr ein kulturell geprägter Ausruck der Wirklichkeitsbeschreibung, der eine semantische Komponente enthält, die vom nachrichtentechnischen Ansatz nicht berücksichtigt bzw. gewürdigt wird.
Kommunikation und im Speziellen die interne Kommunikation bedienen sich nicht nur einer reinen Mensch-Mensch-Kommunikation, sondern greifen in erheblichem Maße auf technische Hilfsmittel und Instrumente zurück. Auch wenn bei der Benutzung technischer Instrumente die Rohinformationen technisch übermittelt und die zu übertragenen Daten z.B. bei Internet-Telefonie in Nullen und Einsen umgewandelt werden, weiß die empfangende technische Einheit diese Daten wieder in Sprache zu dekodieren. Ob nun jedoch der menschliche Empfänger der Nachricht dazu imstande ist, ist durch dieses Modell nicht zu klären, da dieser Ansatz nicht die Fragestellung der Verständigung bzw. der Semantik konzeptionalisiert. „Mit der Reduktion der Betrachtung auf die technische Ebene wird [...] oftmals verkannt, dass Kommunikation [...] ein vielschichtiges soziales Phänomen bleibt.“[19] Ein verhaltensbasierter Ansatz vermag womöglich den beschriebenen Makel des nachrichtentechnischen Ansatzes zu überwinden und die menschliche Komponente ausreichend zu berücksichtigen. An dieser Stelle ist allerdings anzumerken, dass der nachrichtentechnische Ansatz durchaus interessante Facetten der Verständigung der Menschen aufgreift. Verständigung auf dem internationalen Parkett der Länderverständigung bzw. Diplomatie unterliegt einem strengen diplomatischen Reglement, das versucht, durch Standardisierungen, Normen und der Einhaltung eines Protokolls eben diese semantische Komponente zu umgehen und kulturelle Unterschiede auszugleichen. Daher könnte der nachrichtentechnische Ansatz auch für ein multinationales Unter­nehmen interessant sein. In einem multinationalen Unternehmen treffen Menschen unterschiedlichster Kulturen aufeinander, deren interkulturelle Verständigungsprobleme ähnlich wie auf Ebene der Diplomatie durch Standardisierungen geregelt werden könnten. Kulturelle Vielfalt birgt im Zuge einer interkulturellen Kommunikation Schwie­rigkeiten der Verständigung, denen womöglich durch eine Vereinheitlichung im Sinne des nachrichtentechnischen Ansatzes begegnet werden könnte.

******************************
Partner: Der ultimative Preisvergleich | Mexiko Stadt | Ägypten Geographie | Kommunikation | ranking-webkatalog-24.de | Baufinanzierung
******************************

[17] Vgl. Röh, Carsten: IuK-Technik und internationale Unternehmensführung: Kommunikation, Koordina­tion, Konfiguration, Gabler, Wiesbaden 2003, S. 120.
[18] Vgl. Röh, Carsten: IuK-Technik und internationale Unternehmensführung: Kommunikation, Koordina­tion, Konfiguration, Gabler, Wiesbaden 2003, S. 120.
[19] Stüdlein, Yvonne: Management von Kulturunterschieden, Deutscher Universitätsverlag, Wiesbaden 1997, S. 115 f.