4.1 Forschungsbereich internes Kommunikationsmanagement

Ernsthafte Forschungsansätze zur betriebswirtschaftlichen Nutzung der Kommunikation in Unternehmen lassen sich in der deutschsprachigen Literatur auf den Beginn der 60er Jahre zurückführen. Im Jahre 1965 verfassten Bergmann und Zapf einen Literaturbericht in Vorbereitung auf eine Tagung zum Stand der deutschen Forschung zur Kommunikation im Industriebetrieb. Sie stellten fest, dass die Mehrzahl der bis dato erfolgten Untersuchungen die interne Unternehmenskommunikation im Industriebetrieb nur anriss, eine zusammenfassende Behandlung aber fehlte.[43] Seit 1965 können in der deutschsprachigen Literatur zur internen Unternehmenskom­munikation sieben Forschungsrichtungen unterschieden werden:[44]

-1. Kommunikationsstrukturen Aus dem 1965 verfassten Literaturbericht folgten Untersuchungen formaler und informaler Kommunikationsstrukturen, die sich mit hierarchischen Organisationsstrukturen bzw. informalen Kleingruppennetzwerken auseinander setzten. Die Auseinandersetzung erfolgte auf Basis vertikaler und horizontaler Organisationsstrukturen.

-2. Informationsmanagement Spätere Beiträge befassten sich mit dem Informationsmanagement unter Berücksichtigung einer Informationsbedarfsermittlung, Management-Informationssyste­men und strategischen Informationssystemen. Eine Spezifizierung eines Kommunikationssystems erfolgte nicht.

-3. Top-down-orientierte interne Kommunikation Beiträge zur Top-down-orientierten internen Kommunikation fokussierten sich auf eine reine mitarbeiterorientierte Kommunikation. Diese Ansätze der reinen Mitarbeiterkom­munikation sind noch immer stark vertreten. In ihrer ursprünglichen Bedeutung ist Mitarbeiterkommunikation nicht dialogorientiert im Sinne eines wechselseitigen Austausches, sondern einseitig orientiert.

-4. Kommunikationsinstrumente Die Auseinandersetzung mit Kommunikationsinstrumenten bezieht sich in älteren Betrachtungen vorwiegend auf die Aufzählung möglicher Kommunikationsinstrumente. Eine Beschreibung der Instrumente vor dem Hintergrund einer Eignung und Akzeptanz zur Zielerreichung erfolgte nicht.

-5. Externe Kommunikation Im Zuge einer marketingorientierten Perspektive werden Verknüpfung zur internen Kommunikation gezogen. Zum Transfer kamen vor allem die beiden Marketing-Ansätze der integrierten Kommunikation und des internen Marketings. Des Weiteren erfolgte eine Übertragung der Public-Relation-Ansätze auf das interne Kommunikationsmanagement.

-6. Kommunikation und organisatorischer Wandel Seit Anfang der 90er Jahre wird die interne Kommunikation im organisatorischen Wandel diskutiert und bezieht sich auf die Bedeutung betriebswirtschaftlicher Kategorien des Wandels auf die interne Kommunikation.

-7. Zwischenmenschliche Kommunikation Zwischenmenschliche Kommunikation war bereits im Vorfeld der wissenschaftlichen Beschäftigung mit interner Kommunikation Gegenstand zahlreicher Beiträge mit unterschiedlichsten Schwerpunkten. Die Ablösung von einer rein deskriptiven Ebene zum Transfer der Theorie findet bisher nur ansatzweise in der Diskussion zum organisatorischen Wandel statt.

Diese Arbeit betrachtet interne Kommunikation unter Berücksichtigung der verschiedenen Instrumente zur Erreichung aller Unternehmensmitglieder aus der Perspektive einer einseitigen, aber auch wechselseitigen Kommunikation, die unter Aspekten des zwischenmenschlichen Informationsaustausches behandelt wird.
[43] Vgl. Bergmann, Joachim; Zapf, Wolfgang: Kommunikation im Industriebetrieb: Ein Bericht über den Stand der deutschen Forschung, Europäische Verl.-Anst., Frankfurt am Main 1965, S. 13 f.
[44] Vgl. Oelert, Jochen: Internes Kommunikationsmanagement. Rahmenfaktoren, Gestaltungsansätze und Aufgabenfelder, Deutscher Universitätsverlag, Wiesbaden 2003, S. 14.