Einführung

Im Jahre 1910 lehnte es der amerikanische Unternehmer John D. Rockefeller ab, mit seinem Unternehmen Standard Oil nach Europa zu expandieren. Derartiges Wachstum über natürliche Grenzen hinweg galt als zu teuer und somit als nicht lohnenswert. Eine einfache Erklärung für die Überlegungen Rockefellers bietet eine vor kurzem erschienene Studie der Unternehmensberatung Roland-Berger. Gemäß der Studie “Overcoming the limits to growths“ lohnt sich Wachstum für Unternehmen nur, so lange der erzielte Nutzen größer als die zusätzlichen Kosten sind.[1] Für das Rockefeller-Unternehmen Standard Oil bestand vor allem ein kommunikatives Problem. Die Führung des Unternehmens über den Atlantik hinweg wäre seinerzeit mit zu hohen Kosten und zu geringem Nutzen verbunden gewesen. Hätte das Unternehmen über heutige technologische Möglichkeiten verfügt, wäre es ein leichtes gewesen eine natürliche Barriere wie den Atlantik zu überwinden und eine weltweite Expansion voranzutreiben. Die Entwicklung neuer Technologien im Bereich der Computer und Telekommunikation beflügeln die Globalisierung und das Entstehen multinationaler Unternehmen. Neue Technologien sind es, die die Kommunikation innerhalb der Organisation eines multinationalen Unternehmens erheblich erleichtern und eine Kostenreduktionen ermöglichen. Mit der Erleichterung der Organisation kommen gleichzeitig wesentliche Aufgaben auf das Kommunikationsmanagement im internationalen Kontext zu. Im Gegensatz zu einem nationalen Unternehmen sieht sich das multinationale Unternehmen unterschiedlichsten Rahmenfaktoren ausgesetzt, den im Rahmen eines Kommunikationsmanagements Rechnung getragen werden muss. Die Kommunikation im multinationalen Unternehmen sowie ein die Einbindung von Mitarbeitern sicherstellender Informationsfluss sind für den Erfolg von entscheidender Bedeutung.[2] Das Kommunikationsmanagement kann daher als ein entscheidender Wettbewerbsfaktor verstanden werden.

Im Spannungsfeld der vorherrschenden Strategien zur Führung multinationaler Unternehmen möchte ich daraus resultierende Konsequenzen für ein Kommunikationsmanagement herausbilden und im Rahmen eines integrativen Managements der Kommunikation analysieren. Unternehmen werden als multinationale Unternehmen im Sinne dieser Arbeit bezeichnet, wenn sie in mehr als einem Land Produktionsfaktoren kontrollieren (s. Kapitel 5.1).

Diese Arbeit richtet den Fokus auf die Kommunikation innerhalb multinationaler Unternehmen. Im Zuge einer Entwicklung eines Ansatzes zum integrativen Kommunikationsmanagement erfolgt daher eine Betrachtung interner Kommunikations-prozesse. Eine zusätzliche Einbeziehung externer Kommunikation wäre nicht zweckdienlich und würde den Rahmen dieser Arbeit sprengen.

Besonderes Interesse an diesem Thema habe ich, da ich mich bereits zu Beginn meines Studiums selbstständig machte und als Vertriebspartner im Telekommunikationsbereich umfangreiche Erfahrungen im Rahmen einer Business-to-Business-Kommunikation sammeln konnte. Interne Kommunikation wird von den meisten meiner Partner noch immer sträflich vernachlässigt und stiefmütterlich behandelt. Kommunikation findet nur innerhalb der Kommunikation neuer Angebote statt. Ablaufprozesse und Angebote werden bspw. geändert, ohne zuvor mit Partnern in Kontakt zu treten. Es wird daher sicherlich nicht verwundern, dass ich mich bereits früh mit dem Themenkomplex interne Kommunikation von Unternehmen auseinander setzen musste und dass dieses Thema während meines Studiums stets Gegenstand persönlichen Interesses war.

Zu Beginn dieser Arbeit werde ich mich mit der Herstellung eines systemtheoretischen Bezugsrahmens befassen. Kommunikation ist mehr als die stumpfe Vermittlung von Botschaften. Botschaften welcher Art auch immer dienen einem zu bestimmenden Ziel. Um im Sinne einer Botschaft ein intendiertes Verhalten der Adressaten der Kommunikation zu erreichen, erfolgt neben einer Betrachtung grundlegender theoretischer Modelle der Kommunikation eine Auseinandersetzung mit kognitiven Vorgängen, um Prozesse der Kommunikation zu verstehen und in ein Kommunikationsmanagement einfließen zu lassen. Die interne Kommunikation von Unternehmen ist eine junge Disziplin, die erst seit den 50er Jahren in Deutschland Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen ist. Neben einer Darstellung der Entwicklung interner Kommunikation als Forschungsbereich erscheint es mir auch wichtig herauszuarbeiten, welche Bedeutung, Aufgaben und Potentiale interne Kommunikation für das multinationale Unternehmen hat, um diese auf die Entwicklung eines Ansatzes zum integrativen Kommunikationsmanagement zu übertragen. Ziel dieser Arbeit ist es, eine Antwort auf die Fragen zu finden, wie interne Kommunikation in multinationalen Unternehmen erfolgen kann, welcher Instrumente sich das Unternehmen bspw. bedienen könnte und welchen Problemen sich ein Kommunikationsmanagement stellen muss. Wichtig: Mobiltelefone oder Organizer Handy finden Sie hier nicht. Die Abhandlung beschäftigt sich mit integrativer Kommunikation.
[1] Vgl. Dowideit, Anette; Dowideit, Martin: Wille zum Wachstum, Internet: http://www.welt.de/data/2006/ 03/16/ 860550.html, 16.03.2006.
[2] Vgl. Marx, Christoph; Nekula, Marek: Unternehmenskommunikation als tragende Säule des Manage­mentsystems, Internet: http://www.uni-regensburg.de/Fakultaeten/phil_Fak_IV/ Bohemicum/IK/marx-nekula-beratung.pdf, 11.08.2006.